Arbeit: sicher und fair!

Arbeit: sicher und fair! Zukunft und Perspektiven für die Junge Generation

Berthold Huber und Detlef Wetzel
 

Mit dieser Kampagne macht die IG Metall die Lebens- und Arbeitsperspektiven der Jungen Generation zum gewerkschaftlichen Topthema im Betrieb und in der Gesellschaft.

Viele junge Menschen stolpern mit Dauer-Praktika, Minijobs, Leiharbeit oder befristeten Arbeitsverträgen und Niedriglöhnen in eine unsichere Zukunft. »Meine Kinder sollen es einmal besser haben als ich.«


So lautete das Grundversprechen der bundesrepublikanischen Gesellschaft, auf das sich ganze Generationen verlassen konnten. Dieses Versprechen gilt nicht mehr. Ursache ist nicht nur die schwerste Wirtschaftskrise in der Nachkriegsgeschichte, sondern die Aufkündigung des sozialen Konsenses durch Arbeitgeber und neoliberale Politik seit Beginn der neunziger Jahre.

Zwei Drittel der heute unter 35-Jährigen waren bei ihrem Berufseinstieg mit unsicherer und schlecht bezahlter Beschäftigung oder gar Arbeitslosigkeit konfrontiert. Begriffe wie »Generation Praktikum« und »Generation Prekär« sind in die Alltagssprache eingezogen. Unsicherheit, Armut und gesellschaftliche Ausgrenzung sind nur einige der unerträglichen Folgen für die Betroffenen. Viele junge Menschen werden so an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Unser Sozialstaat baut zu weiten Teilen auf dem regulären Normalarbeitsverhältnis
auf. Wer davon ausgeschlossen bleibt, hat keine Chance existenzsichernde Rentenansprüche aufzubauen. Selbst kurze Arbeitslosigkeitsphasen bedeuten für vorher prekär Beschäftigte schnell den Abstieg in Hartz IV.

Wir treten für eine Gesellschaft ein, in der Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität, Gleichheit, Würde, Anerkennung und Respekt wieder an Bedeutung gewinnen. Eine Gesellschaft, die allen jungen Menschen berufliche Zukunftsperspektiven und ein selbstbestimmtes Leben bietet. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Jungen Generation zu verbessern, bedarf der Kompetenz und Kraft vieler engagierter Menschen und der Unterstützung verschiedener gesellschaftlicher Verbände.

Mit unserer Kampagne laden wir ein, gemeinsam mit der IG Metall für die Zukunft und Perspektiven der Jungen Generation zu streiten.


Fakten zur Lebenslage der Jungen Generation

Piktogramm Arbeitslosigkeit
 

»Junge Generation« bezeichnet eine Lebensphase mit vielen Übergängen, Brüchen und wichtigen Entscheidungen: 
Junge Menschen ziehen aus dem Elternhaus aus, gründen einen eigenen Haushalt, eine dauerhaft angelegte Partnerschaft, eine Familie. Es stehen Wechsel an: von der Schule in eine berufliche Ausbildung oder in ein Studium, und danach die Suche nach der ersten Arbeitsstelle.

Es ist eine spannende, eine kreative Lebensphase, in der Menschen ihren Lebensentwurf und ihre Vorstellung von einem guten Leben entwickeln. Aber Veränderungen, Übergänge und Brüche sind auch Phasen der Unsicherheit und des Risikos. Gerade in den vergangenen Jahren und in der Krise hat die Unsicherheit zugenommen und drohte für viele junge Menschen, das Spannende des Ausprobierens und Findens zu überlagern – durch Existenzängste, erzwungene Entscheidungen und Jobs, die keine Perspektiven bieten.

Jetzt handeln

Es wird viel verlangt von der Jungen Generation. Gut ausgebildet soll sie sein, flexibel, stressresistent, berufserfahren und leistungsbereit. Aber wo sind die Chancen? Die Angebote auf kontinuierliche Weiterbildung und Qualifizierung? Die Chancen auf einen Arbeitsplatz und ein gutes Einkommen? Mehr als 30 Prozent der Erwerbstätigen unter 35 arbeiten in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Bei den 20- bis 24-Jährigen sind es mehr als 50 Prozent. Statt Lösungen zu erarbeiten, verschärfen Wirtschaft und Politik die Probleme. Ältere Beschäftigte sollen länger arbeiten.

Viele junge Menschen verweilen in Warteschleifen, in Job-Programmen der Arbeitsagenturen oder sind vollständig abgehängt. Das Bedürfnis der Einen nach einer alternsgerechten Arbeitsgestaltung wird ebenso ignoriert wie das der Anderen nach einem erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben. Das Recht auf Entscheidungsfreiheit steht für viele nur auf dem Papier.

Die Wirtschaftskrise hat die Unsicherheit, in der die Junge Generation lebt, verdeutlicht. Die Krise ist aber nicht die Ursache der Unsicherheit. Denn die Probleme der Jungen Generation haben sich mit anziehender Konjunktur nicht erledigt. Im Gegenteil, unsichere Beschäftigungsverhältnisse, Leistungsverdichtung und überlange Arbeitszeiten nehmen im Aufschwung rapide zu. Aus unserem Gesellschaftsverständnis heraus ergibt sich hier dringender Handlungsbedarf.


Piktogramm Familie 2
 

Zukunft planbar machen

Die Planung stabiler Lebensläufe muss möglich sein – nicht nur aus individuellen, sondern auch aus gesamtgesellschaftlichen Interessen. Nur Menschen, die ihr Leben sicher und auf längere Sicht planen können, haben Kraft und Zeit, um sich in Betrieb und Gesellschaft zu engagieren. Nur so kann jeder Einzelne einen Beitrag für das Ganze – für unsere Gesellschaft – leisten.

Der Wunsch der Jungen Generation, ein Gutes Leben zu führen, muss unterstützt werden. Damit Arbeit und Leben besser miteinander vereinbart werden können. Die massive Zunahme unsicherer Arbeitsverhältnisse ist kein Naturgesetz, sondern vor allem Folge von Gesetzesänderungen unter dem Druck der Arbeitgeber, welche Befristungen, Leiharbeit und andere Formen von unsicherer und schlecht bezahlter Beschäftigung ermöglichen – falsche Weichenstellungen, die zurückgenommen werden können und müssen. Die Politik muss handeln, um das verlorene Vertrauen der Jungen Generation wiederzuerlangen. Auch in den Betrieben muss sich vieles ändern.

Dabei kommen wir um Konflikte nicht herum. Und das sollten wir auch nicht wollen, denn Konflikte bieten Chancen. Selbstverständlich ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von IG Metall, Betriebsräten und Unternehmensleitungen anzustreben. Alles, was auf diesem Weg erreicht werden kann, muss auch versucht werden. Doch Konfliktvermeidung ist keine Alternative. Wir tragen die Konflikte nicht in die Arbeitswelt hinein. Sie sind bereits da. In vielfältiger Form:
Wo Leiharbeitskräfte mit Niedriglöhnen abgespeist und gegen Stammbeschäftigte ausgespielt werden, da ist der Konflikt schon da. Wo die Zukunft der Jungen Generation nicht mit, sondern gegen die Interessen der älteren Beschäftigten gedacht wird, ist der Konflikt schon da. Wo für Qualifizierung aus Gründen der Profitmaximierung kein Platz ist, auch dort ist der Konflikt schon da. Wir zeigen die Konflikte auf und machen sie zum Thema. Im Betrieb und in der Gesellschaft.


Piktogramm Nebenjob
 

Unsere Charta

Mit unserer Charta »Junge Generation. Arbeit: sicher und fair!« zeigen wir auf, was sich grundsätzlich ändern muss. Denn eine Politik, die die Entfaltung der Jungen Generation vernachlässigt, gefährdet die Zukunft der gesamten Gesellschaft.

Gleiche Bildungschancen, Ausbildung und Übernahme sowie faire und sichere Arbeits- und Lebensbedingungen sind die Basis für ein Gutes Leben. Arbeit: sicher und fair! – Das ist zugleich unsere Forderung an Politik und Wirtschaft.

Wir akzeptieren nicht, dass die Zukunft der Jungen Generation von Politik und Wirtschaft verspielt wird. Wir treiben die Themen der Jungen Generation voran und setzen Impulse!

Wir laden alle Interessierten ein, sich den Zielen unserer Charta anzuschließen, eigene Themen einzubringen und gemeinsam daran zu arbeiten, sie zu verwirklichen.



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