Für die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben

3. Für die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben.


Jeder junge Mensch hat Anspruch darauf, über seine Zeit mitbestimmen zu können. 

Zu „Arbeit ist mehr als Brotwerb“ ergänzen wir „Leben ist mehr als Arbeit“. Zu einem erfüllten und guten Leben gehören die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Raum für Freundschaften, Hobbies, ehrenamtliches und politisches Engagement. Dieses Thema wird in der öffentlichen Diskussion oft auf den Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten reduziert. Der Ausbau von qualitativ hochwertigen, allen zur Verfügung stehenden Betreuungsangeboten ist ein wichtiger Baustein zu einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Leben. Nur damit ist es jedoch nicht getan.

Wieder sehen wir eine deutliche Verknüpfung mit dem Thema atypische Beschäftigung. Für die Altersgruppe U35 kumulieren Unsicherheiten in einem Ausmaß, dass die Planbarkeit und Entwicklung eines selbstbestimmten Lebensentwurfs massiv beeinträchtigt ist. Familiengründung- und Planung und der Startschuss für langfristiges gesellschaftliches Engagement finden aber gerade in dieser Altersphase statt.
Zu den Unsicherheiten kommen Leistungsverdichtung, ausufernde Arbeitszeiten und flexible Arbeitszeiten, die sich mehr an den Ansprüchen der Arbeitgeber denn an den Bedürfnissen der Beschäftigten ausrichten, hinzu.


Deutschland gibt durchaus viel Geld für familienpolitische Maßnahmen aus. Diese sind aber oft wenig zielgerichtet und unterstützen die Menschen nicht dann, wenn es am dringendsten nötig ist. Im internationalen Vergleich stecken wir viel Geld in steuerliche Förderungen. Familien werden aber in der Regel nicht mit 50 gegründet, und die Menschen möchten ihre Kinder auch nicht erst dann bekommen, wenn sie auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Karriere stehen und von steuerlichen Vergünstigungen profitieren würden.

Auf den Punkt gebracht: Zum Zeitpunkt, an dem junge Familien die Förderung am dringendsten benötigen, greifen die (steuerlichen) Förderungen am wenigsten oder gar nicht. Die steuerlichen Vergünstigungen haben auch zur Folge, dass nicht jedes Kind dem Staat das gleiche wert ist.

Wir haben es mit einer gesellschaftlichen Schizophrenie zu tun. Die Bedingungen, Arbeit und Familie und gesellschaftliches Engagement unter einen Hut zu bekommen, werden für junge Menschen immer schwieriger. Gleichzeitig wird beklagt, dass immer weniger junge Menschen Kinder bekommen, dies in immer höherem Lebensalter geschieht und ehrenamtliches und politisches Engagement abnimmt. Gerade so, als ob das eine mit dem anderen nichts zu tun hätte.


Wir erwarten von der Politik:

Die richtigen Schritte des Ausbaus von öffentlicher Kinderbetreuung fortzusetzen. Ziel müssen flächendeckende, für alle Beschäftigten bezahl- und nutzbare Angebote sein.

Wir erwarten von den Arbeitgebern:

betriebliche Modelle zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. Arbeitszeitmodelle müssen die Bedürfnisse der Beschäftigten nach einem planbaren Familienleben und nach gesellschaftlichem Engagement berücksichtigen.

Die IG Metall wird:

Arbeitszeitsouveränität der Beschäftigten stärker in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen sichern und mehr betriebliche Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Leben aushandeln.



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