Für sichere Arbeit

1. Für sichere Arbeit.


Jeder junge Mensch hat das Recht auf eine sichere Beschäftigung.

Wie sieht die Beschäftigungssituation für die Junge Generation aus? Einer der deutlichsten Trends der letzten Jahre ist die starke Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse. Ein Normalarbeitsverhältnis auf dem unser Sozialstaat aufbaut, ist für viele junge Menschen nicht mehr der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Leiharbeit, befristete Arbeitsverträge, Scheinselbständigkeit, Werkvertrag, Dauerpraktikum und Phasen der Arbeitslosigkeit – so sieht der Einstieg in den Arbeitsmarkt für fast jeden zweiten jungen Menschen in Deutschland aus.

Ca. zwei Drittel der heute unter 35-Jährigen haben in ihrem bisherigen beruflichen Lebensweg Erfahrungen mit atypischer Beschäftigung machen müssen. Diese Quoten sind in den letzten 10 Jahren drastisch gestiegen. Für die jüngste Altersgruppe (15-24 Jahre) haben sie sich gar verdoppelt. So dass generell die Faustregel gilt: Je jünger desto prekärer.
 


Grafik: Atypische Beschäftigung

Das Jahr 2007 wird als Bezugspunkt gewählt, da die Daten für die Krisenjahre 2008-2010 nur begrenzt aussage-kräftig sind. In der Krise gingen die atypischen Beschäftigungsverhältnisse zum Teil zurück. Daraus kann aber keine Entwarnung abgeleitet werden. Im Gegenteil: Der Rückgang in der Krise zeigt vielmehr die Problematik dieser Arbeitsverhältnisse. Leiharbeiter, Scheinselbständige und befristet Beschäftigte waren die ersten, die ihre Arbeit verloren haben. Alle Daten zur Entwicklung von z.B. Leiharbeit und Befristungen aus der 2. Hälfte 2010 und des Jahres 2011 zeigen deutlich, dass der Trend zu atypischer Beschäftigung nicht gebrochen ist und die Höchststände aus dem Jahr 2007 bald übertroffen werden bzw. schon sind.

 

Es sind auch nicht nur die niedriger qualifizierten jungen Menschen betroffen. Für viele Uni-Absolventen verläuft der Einstieg in den Arbeitsmarkt mittlerweile ebenfalls über prekäre Beschäftigungsformen. Je niedriger qualifiziert, umso höher wird allerdings das Risiko lange Phasen prekärer Beschäftigung zu durchlaufen, oder den Sprung in ein normales Beschäftigungsverhältnis gar nicht zu schaffen. 


Die Zyniker in unserer Gesellschaft antworten auf diese Trends mit: „So what? - Berufseinstiegsjahre sind eben keine Herrenjahre“. Sie verkennen oder unterschlagen bewusst die Folgen dieser Entwicklung für die individuellen Lebensplanungen und Entfaltungsmöglichkeiten, aber auch die negativen Folgen für die Gesellschaft.

Die zweite zynische Antwort lautet, die vielen atypischen Arbeitsverhältnisse würden doch Freiheiten zum Hereinschnuppern in verschiedenste Bereiche des Arbeitsmarktes eröffnen und junge Menschen wollten gar keine normalen Arbeitsverhältnisse mehr. Alle Befragungen der jungen Generation zu ihren Wünschen für Beruf und Arbeit, widersprechen dem auf das Deutlichste. Wünsche nach „einem festen und verlässlichen Einkommen“, nach „einem sicheren Arbeitsplatz“ und „einem unbefristeten Arbeitsverhältnis“ rangieren in allen Untersuchungen ganz oben.


Wir erwarten von der Politik:

Die Leiharbeit muss besser reguliert und deutlich begrenzt werden. Unsere zentrale Forderung lautet: Gleiche Arbeit - Gleiches Geld - und gleiche Arbeitsbedingungen für Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer! Die Regulierung der Leiharbeit ist per Gesetz zu sichern.
Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen muss begrenzt werden.
Es werden engere Rahmenbedingungen für Praktika geschaffen und im Streitfall wird die Beweislast umgekehrt: der Arbeitgeber muss beweisen, dass ein Praktikant/ eine Praktikantin nicht ausgenutzt wurde.

Wir erwarten von den Arbeitgebern:

Mit der IG Metall konstruktiv über Tarifverträge in unseren Branchen zu verhandeln, die eine unbefristete Übernahme der Auszubildenden nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung und die Konditionen und wirksame Mitbestimmungsrechte zur Verhinderung, Begrenzung und Gestaltung von Leiharbeit und des Missbrauchs von befristeten Arbeitsverträgen und Werkverträgen im Entleihbetrieb zu verankern.

Die IG Metall wird:

solange die gesetzlichen Regelungen unzureichend bleiben, weitere Besservereinbarungen für Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter auf betrieblicher Ebene aushandeln.
 



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